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Diese Seite entstand im Zusammenhang mit dem Soziologieseminar "Wem gehört die EU?" von Professor Krysmanski, welches im Sommersemester 2007 an der WWU Münster stattfindet. Sie wurde erstellt von  Lena Heidemann, Steffi Funke und Tabea Lerch.

Der Orden der Opus Dei

 

Allgemein

Opus Dei heißt wörtlich übersetzt „Werk Gottes“ und bezeichnet einen katholischer Orden, der im Jahr 1943 von dem Priester Josemaría Escrivá de Balaguer gegründet wurde. Heute gehört er zu den einflussreichsten Organisationen in der katholischen Hierarchie.

Besonders in den letzten Jahren wurde der Orden aufgrund seiner sektenähnlichen Struktur von außen heftig kritisiert. Kritiker sprechen von der „heiligen Mafia“ und der „dunklen Macht im Vatikan“ (vgl. Rupp 2002).

 

Ziele

Zu den erklärten Zielen des Opus Dei gehört es, konsequent christlich zu leben. Männer und Frauen sollen jeder an seinem Platz in der Welt versuchen, ihre tägliche Arbeit und ihr Familienleben zu heiligen. Arbeit und die gewöhnlichen Lebensumstände seien Gelegenheiten, um Gott zu begegnen. Man solle sich für das Gemeinwohl einsetzen. Das Opus Dei ermuntert seine Mitglieder gemeinnützige Vereine und Bildungsangebote wie Schulen, Universitäten und Studentenwohnheime zu gründen. Es versteht sich als Seelsorgestruktur innerhalb der katholischen Kirche und nicht als Gruppe, die sich in irgendeiner Weise von diesen absondert.

Kritiker behaupten, alleiniges Ziel des Opus Dei sei es, den Einfluss des traditionellen Katholizismus auf die Gesellschaft zu erhöhen. Sie sähen sich selbst als „Elite Gottes“ (bornpower.de) und strebten nach Macht, um das römisch-katholische Zentrum in Rom kontrollieren und beherrschen zu können.

 

Struktur

Innerhalb des Ordens herrscht eine strenge Hierarchie. Er hat die rechtliche Stellung einer Personalprälatur. Das bedeutet, dass er sozusagen ein Bistum ohne eigenes begrenztes Territorium ist, aber mit demselben hierarchischen Aufbau wie dieses. An der Spitze steht der Prälat. Er hat hierarchisch die gleiche Position wie ein Bischof in seiner Diözese und wird von Ordensvertretern gewählt. Die Wahl muss offiziell vom Papst bestätigt werden. Wie jede andere Diözese unterhält das Opus Dei ein Priesterseminar, welches aus Klerikern besteht. Diese bilden die Führungsspitze unterhalb des Prälaten und werden Numerarier genannt. Etwa 2 % der Mitglieder des Opus Dei gehören ihr an. Heiraten dürfen nur die Mitglieder auf der unteren Ebene. Doch sie haben keinen Zugang zu höheren Positionen.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen jenen Mitgliedern, die in Opus Dei-Häusern leben und  solchen, die ein ganz normales Leben in der Gesellschaft führen und beispielsweise in Wirtschaft und Politik tätig sind. Die sektenähnliche Struktur bezieht sich jedoch nur auf die erstgenannten.

 

Der Gründer

Josemaría Escrivá de Balaguer ist der Gründer des Opus Dei. Er wurde im Jahr 1902 im Norden von Spanien geboren. Im Alter von fünfzehn Jahren kam ihm der Legende nach eine Eingebung, welche dazu führte, dass er Priester wurde, um Gott immer verfügbar zu sein. Er gründete den Orden und wurde schon zu Lebzeiten zur Kultfigur seiner Anhänger, die ihn „el padre“ (der Vater) nannten. Er wird von ihnen verehrt, da er, ähnlich wie der Papst, mit absoluten Wahrheiten ausgestattet sei. Sie stellten ihn sogar mit Jesus und Abraham auf eine Stufe, da er ein „von Gott geschaffenes Instrument zur Rettung der Kirche sei“ (bornpower.de). Eines seiner wichtigsten Bücher heißt „Geistliche Betrachtungen“ und erschien in 290 Auflagen in 41 Sprachen und wurden über fünf Millionen Mal verkauft. Damit ist es ein Bestseller und gleichzeitig das bekannteste und einflussreichste Werk der Opus Dei. Es enthält Aphorismen und Denkanstöße; Kritiker nennen sie „Marschbefehle“ (Rupp 2002: 55). Escrivá betont häufig die Sünde und fordert Gehorsam: „Gehorcht, wie ein Werkzeug in der hand des Künstlers gehorcht, das nicht danach fragt, warum es dies oder jenes tut“ (Escrivá 617). Außerdem fordert er Selbstgeißelung von seinen Mitgliedern: „Gesegnet sei der Schmerz“ (Escrivá 208).

In seinen Predigten forderte er den Kampf gegen hedonistisches Konsumdenken, Sexualisierung und den allgemeinen Sittenverfall. Er leitete den Orden bis zu seinem Tod im Jahr 1975.

 

Historische Entwicklung

 

1930er Jahre:   Escrivá legte die Fundamente des Ordens. Anfangs hatte dieser nur wenige Mitglieder.

1943:               Offizielle Gründung des Ordens als Laienpriesterschaft

Seit 1945:         Errichtung von Zweigstellen in anderen Ländern

1947:               Der Orden erhält vom Vatikan den Status eines säkularen Instituts.

1950:               Das Opus Dei hat 2400 männliche Mitglieder (davon 20 Priester) und 550 weibliche Mitglieder.

1982:               Es erhält den Status der Personalprälatur und damit eine direkte Unterstellung unter den Vatikan, was ihn     der                   Kontrolle der Bistümer entzieht. Das Hauptquartier wird nach Rom verlegt.

1992:               Opus Dei-Gründer Escrivá wird selig gesprochen.

2002:               Escrivá wird heilig gesprochen.

Heute:              Das Opus Dei hat 85000 Mitglieder, und besitzt in 60 Staaten 1684 Zentren. Ein Großteil der Mitglieder sind   Spanier. Der Orden ist besonders in katholisch geprägten Staaten verbreitet. Vielen Mitglieder stammen außerdem aus                Südamerika, Italien, Portugal und Irland. In großen Teilen Afrikas und Asiens und in Russland ist das Opus Dei nicht verbreitet.


 

 

Mitgliedschaft

„Das Opus Dei will eine Elite sein“ (Rupp 2002: 65). Bei der Suche nach neuen Mitgliedern zielt die Strategie des Opus Dei deshalb vornehmlich auf hochrangige Personen aus Politik, Wissenschaft, Medien und Bildungsinstitutionen. Die weiß man von Vladimir Felzmann, der Mitglied war, dem Orden dann den Rücken gekehrt und öffentlich über deren Methoden gesprochen hat. Der ideale Kandidat sei männlich, katholisch, intelligent und idealistisch. Grundsätzlich könne aber jeder männliche wie weibliche Katholik Mitglied werden.

Potenziellen Kandidaten nähert sich der Orden an, indem er sie zu sich einlädt. Es gibt keine offene Werbung. Bei der Heranführung bindet man den Kandidaten immer mehr ein und führt ihn an die Lebensregeln des Opus Dei heran, jedoch meist ohne dass der Name Opus Dei fällt. Die Eingliederung erfolgt via Vertrag. Ein Austritt wird als Verrat an Gott bezeichnet (vgl. Rupp 2002: 67).

Die Mitgliedschaft soll möglichst geheim gehalten werden, auch vor den Eltern. In seinem Beruf solle man im Sinne des Opus Dei tätig sein und dem Grundsatz der Heiligung der Arbeit folgen.

 

 

 

Methoden

Die Mitglieder, die in den Opus Dei-Häusern wohnen, lösten meist ihre sozialen Bindungen zu Familie und Freunden und isolierten sich. Sie hätten einen streng geregelten Tagesablauf und stünden unter ständiger Kontrolle (vgl. bornpower.de). Von ihnen würde absoluter Gehorsam und Unterordnung erwartet. Täglich fänden Gebete und Bibellektüre statt, sowie Besuche der Messe. Es gäbe eine Bücherzensur und psychische Methoden der Unterwerfung würden angewendet. Dazu gehöre das zeitweise Tragen eines Bußgürtels, Selbstgeißelung und das Ertragen körperlicher Schmerzen.

Außerdem herrsche strikte Geschlechtertrennung. Männer und Frauen lebten in verschiedenen Häusern und hätten kaum Kontakt zueinander. Frauen müssten niedere Dienste wie kochen, putzen, waschen und Telefondienste verrichten. Außerdem würde den Mitgliedern gelehrt, dass alles Körperliche und Geschlechtliche schlecht sei. Sie hätten ein starkes Elitebewusstsein und übersteigertes Gruppengefühl. Durch Demütigungen würden Schuldgefühle erzeugt und jeder sei zur Geheimhaltung über die Abläufe und Regeln des Ordens verpflichtet (vgl. Rupp 2002: 79ff).

 

Vermögen


 

Offiziell verfügt der Orden über keinen großen Besitz. Die Mitglieder sollen maßvoll leben, weshalb sie ihre gesamten Einnahmen dem Orden übergeben und von diesem dann ein Taschengeld erhalten. Der Orden besitzt daher mit den Vermögen der Mitglieder, den Geldern von ihm nahe stehenden Einrichtungen sowie durch Spenden und Stiftungen vermutlich ein enormes Vermögen. Davon zeugt auch der Bau eines neuen Verwaltungshauptquartiers 1998 in New York, der nach eigenen Angaben 42 Millionen Doller gekostet hat (rechts im Bild). (vgl. Hertel 2005: 87).

 

 

 

Bekannte Mitglieder und Sympathisanten

Die Priester und Bischöfe, die zur Personalprälatur des Opus Dei gehören, sind in der Regel bekannt, da sie öffentlich als Opus Dei-Priester geweiht wurden. Laut Hertel war mindestens einer der Kardinäle der Konklave, die Papst Benedikt gewählt haben, sicher Opus Dei-Mitglied (vgl. Hertel 2005: 18). Diejenigen Personen, die nicht formal Mitglied sind, sind aber häufig unbekannt.

Trotzdem findet man im Internet lange Listen von Personen, die mit großer Wahrscheinlichkeit Mitglieder sind. Dies wird offiziell vom Opus Dei jedoch nicht bestätigt.

Darunter finden sich Minister, Mitglieder des europäischen Parlaments, Aufsichtsräte von Shell und Vodafone, der Präsident der Universität von Plymouth, ein ehemaliger Außenminister von Österreich, ein UNO-Kommissar sowie weitere Professoren. Die Frau des ehemaligen französischen Präsident Chirac gilt als große Sympathisantin, ebenso Hans Filbinger, Italiens ehemaliger Zentralbankchef Antonio Fazio sowie Giovanni Trappatoni.

Der verstorbene Papst Johannes Paul ІІ galt ebenso als großer Sympathisant. Ein Anzeichen dafür ist seine sehr schnelle Seligsprechung des Opus Dei-Gründers Escrivá innerhalb von 17 Jahren. Normalerweise dauert ein solcher Vorgang mindestens 50 Jahre. Dies löste damals viel Kritik aus. Die im Jahr 2002 folgende Heiligsprechung kann die Vermutung, dass der ehemalige Papst dem Opus Dei wohlgesinnt war, nur unterstreichen.

Angeblich seien viele der Kongregationsmitglieder des Papstes, sowie Kardinäle und Bischöfe Mitglieder oder zumindest Förderer des Opus.

Sympathie und Unterstützung des Ordens scheint einer kirchlichen Karriere laut Hertel förderlich (vgl. Hertel 2005: 17).

 


 

Einrichtungen

Mitglieder des Opus Dei werden dazu aufgefordert, gemeinnützige Einrichtungen, Vereine und Stiftungen zu gründen. Die Universität von Pamplona wurde beispielsweise vom Opus Dei gegründet. Nach Angaben ehemaliger Mitglieder werden dort studentische Mitglieder des Ordens ausgebildet, die später als Führungskräfte in Unternehmen und Banken aufstiegen (vgl. Rupp 2002: 94). Durch ihre Eliteausbildung sollten sie dann Einfluss auf die Gesellschaft nehmen. Juristische gehören diese Unternehmen nicht dem Opus Dei an.

Viele weitere Mitglieder oder Sympathisanten seien in Zeitungen, Radio- und Fernsehstationen sowie Nachrichtenagenturen tätig.

In Münster gibt es zwei Stundentenwohnheime, die vom Opus Dei gegründet wurden. Dies sind das Studentenheim Widenberg für männliche (rechts im Bild) und das Bildungszentrum Hogesteg für weibliche Studenten, die beide im Kreuzviertel stehen.

Auf der Homepage des Studentenheims Widenberg  steht, es sei außer einem Studentenheim auch ein Forum  zur „gemeinsame[n] Vertiefung religiöser Fragen“ (http://www.muenster.org/widenberg/main.phtml) Einige der ehrenamtlichen Mitglieder seien „Mitglieder der katholischen Prälatur Opus Dei, welche die religiöse Bildungsarbeit im Hause prägt“ (ebda.) Für Wohnung, Halbpension, Putzdienst und das Waschen der persönlichen Wäsche muss man im Monat 390 Euro zahlen. Außerdem gibt es einen Link zur offiziellen deutschen Opus Dei-Seite.

 

Macht

Wie groß die Macht und der Einfluss des Opus Dei tatsächlich ist, lässt sich schwer einschätzen. Laut Rupp besitze der Orden mehr Macht und Reichtum als so manches Entwicklungsland (vgl. Rupp 2002: 131). Niemand weiß genau, wie viele Förderer in Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen sowie in hohen kirchlichen Positionen sitzen. Sicher scheint, dass nicht wenige im Verwaltungsapparat des Papstes und in päpstlichen Kongregationen, Räten und Kommissionen arbeiten. Durch diese Nähe zum Zentrum der katholischen Kirche gelangen sie an viele Informationen, besitzen also allein durch ihr Wissen schon Macht. Vermutlich besitzen sie einen nicht unerheblichen Einfluss auf vatikanische Entscheidungen. Wie der aktuelle Papst zum Opus Dei steht, darüber kann man nur spekulieren. Hertel zählte Kardinal Ratzinger jedoch schon im Jahr 2001 zu denjenigen Kandidaten, die das Opus fördern würden, wenn er Papst würde. „Aber selbst ein Papst, der gegenüber dem Opus Dei neutral eingestellt wäre, könnte an der kirchlichen Macht der Organisation nicht mehr vorbeiregieren“ (Hertel 2005: 31).

 

Fazit

Die propagierten Ziele des Opus Dei sind auf den ersten Blick positiv zu bewerten. Die Unterstützung von gemeintätigen Einrichtungen kommt vielen Menschen zugute und auch ein Leben nach streng christlichen Regeln hat durchaus positive Aspekte und scheint mir im Sinne der Kirche zu liegen.

Die Kritik der sektenähnlichen Struktur bezieht sich auf den Personenkult um Escrivá, die Unterdrückung von interner Kritik, die Abschottung der Mitglieder von ihrem bisherigen Umfeld, die strengen Verhaltensregeln und die Geheimhaltung der Regeln und Abläufe. In Belgien wurden das Opus Dei 1997 offiziell als sektenähnliche Organisation eingestuft.

Die große Macht, die das Opus heute besitzt, deren Reichweite man nur erahnen kann, ist beängstigend und es stellt sich die Frage, welche wirklichen, tiefer gehenden Ziele der Orden mit seiner Infiltrierung von Kirche und Organisationen verfolgt.

Auf das Seminarthema bezogen sollte man auch danach fragen, welchen Einfluss der Orden innerhalb der Europäischen Union besitzt. Da man weiß, dass mehrere Mitglieder des EU-Parlaments gleichzeitig Ordensmitglieder sind, kann man meiner Meinung nach davon ausgehen, dass der Orden auch auf diesem Weg versucht, seine Interessen durchzusetzen. Doch auch hier bleibt es schwierig abzuschätzen, welche das sind und wie weit der Einfluss reicht.

Es bleiben letztlich viele Fragen offen, weshalb ich denke, dass man dem Opus Dei grundsätzlich vorsichtig und kritisch gegenüber treten und seine Ziele hinterfragen sollte.