Was du lesen willst, steht im Buchladen nicht in den Regalen . Wie viele Bücher hast du schon gelesen, wo dir wirklich nichts gefehlt hat? Fühlst du die große Macht, die von den gefüllten Bücherregalen ausgeht?
Du fragst dich, warum gibt es nicht, was ich suche?
Du fängst an zu überlegen, ob du nicht ungerecht bist.
Und vielleicht... passt du deinen Geschmack irgendwann den Büchern an.
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Vielleicht geht es dir ja wie mir: Du willst etwas lesen.
Du hast auch eine vage oder klare Vorstellung davon, was
du lesen willst: Nichts aus dem realen Zeitgeschehen und
dem realen Alltagsleben. Es soll irgendwie Fantasie
(Fantasy/Science Fiction) sein.
Doch was du lesen willst, steht im Buchladen nicht in den
Regalen – oder zumindest nicht so sichtbar, dass du von
dessen Existenz weißt. In den Regalen steht hingegen,
was du auf jeden Fall nicht lesen willst.
Wie viele Bücher hast du schon gelesen, wo dir wirklich
nichts gefehlt hat? Wie viele Bücher, waren wirklich ideal
für dich, verdienten ein „sehr gut“ ohne ein „aber“?
Hast du nicht oft das Gefühl, einige Bücher gut finden zu
müssen, einfach weil doch so viele hohe Kritiker und Leser
von einem Buch begeistert sind und das Buch
„objektiv betrachtet“ gut gemacht ist? Vielleicht findest
auch du dieses Buch „gelungen“, du merkst, der Autor
hat Talent und du fandest das Buch „nicht schlecht“.
Doch ist es wirklich ein Buch für dich? Fehlt dir nicht fast
immer das gewisse Etwas, damit du selbst wirklich von
einem Buch vollauf begeistert bist? Ein Buch, wo wirklich
große Gefühlswallungen in dir hochkommen, eine Geschichte,
die dir wirklich nahe geht oder wo du Glücksprünge machen
könntest, weil du gerade so etwas Tolles gelesen hast.
Kennst du so was? Ich kenne es ganz, ganz, ganz selten.
Fühlst du die große Macht, die von den gefüllten Bücherregalen
ausgeht? „Bestseller“. „Neu“. So viele Bücher springen dir durch
auffällige Platzierung mit prächtigen Covern und machtvollen Titeln
und machtvollen Autorennamen ins Auge. So viele Buchberge
mit einem einzigen Titel wollen dir zeigen, was für gute Bücher
sie sind. Und dann die superlativen Auszeichnungen auf der
Buchrückseite: „Phantasievoll, spannend, originell, gefühlvoll“.
Und dazu sich an Lob und Begeisterung überschlagene Zitate
von Zeitungen und großen Kritikern.
Du hast vielleicht einmal zugegriffen, vielleicht zweimal oder
auch drei-, viermal. Aber irgendwann merkst du: Du teilst
diese ganze Begeisterung um das Buch nicht. Du fragst dich,
was nicht stimmt: dein Geschmack oder der Geschmack der
großen Kritiker.
Du fragst dich, warum es nicht gibt, was ich suche? Ist noch
niemand auf die Idee gekommen, so was zu schreiben? Will
denn wirklich niemand anders als ich so was lesen? Warum
ist das „nicht machbar“? Wollen die Buchhändler denn nichts
an mich verkaufen? Warum stellen sie nichts aus, das mich
interessiert?
Du bist verunsichert und gehst noch einmal die Regale aus
dem Bereich Fantasy und Science Fiction durch (und auch
noch den Jugendbuch-Bereich dazu, wenn du auf diese Idee
denn gekommen bist) und schaust noch einmal genauer hin,
denn natürlich hast du dir nicht jedes einzelne Buch genau
angesehen.
Du suchst ein wenig nach weniger auffälligen Büchern. Doch
auch diese, so stellst du fest, sind nicht anders als die
auffälligen. Du willst dich nicht belügen, du willst ehrlich zu
dir sein: Klappentext, Titel, Cover und das Überfliegen des
Anfangs des ersten Kapitels haben dich einfach nicht wirklich
angesprochen. Wirklich nicht? – Nein, wirklich nicht!, antwortest
du.
Du fängst an zu überlegen, ob du nicht ungerecht bist.
Schließlich überbieten sich alle Bücher an Titel, Cover,
Klappentext und Zeitungs-Zitaten in Superlativen –
und dich spricht nichts wirklich an??? „Bin ich nicht unfair?“,
fragst du dich. „Ich kenne diese ganzen Bücher doch gar
nicht, wie kann ich du so genau wissen, dass sie mir nicht
doch wirklich gefallen?“ Du schaust noch einmal auf die
Zeitungs-Zitate: „Das beste Buch aller Zeiten“, „Der Weltbestseller“.
„Wenn das Buch doch so vielen Menschen gefällt“, denkst
du weiter, „dann sollte es mir doch auch gefallen.“ Du kaufst
das Buch, um es wenigstens zu wissen.
Und vielleicht... passt du deinen Geschmack irgendwann den
Büchern an, die im Buchladen ausgestellt sind (fall du das
Lesen nicht ganz aufgibst). Du kaufst das Noch-Beste Buch
– und bestätigst mit deinem Kauf dem Buchhändler und dem
Verlag in ihren Statistiken, dass sie das richtige Buch auf dem
Markt gebracht haben.
Du setzt deine Wünsche von einem für dich persönlich gutes
Buch herab. Du versuchst, das Gute in den bestehenden Büchern
zu finden (was du auch manchmal findest, aber eben nicht genug,
um wirklich, wirklich glücklich zu sein) und irgendwann hast du
vielleicht ganz vergessen, was du einst einmal wolltest.