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Im Internet wird immer mehr über Zuschussverlage und Pseudoverlage

aufgeklärt, den bisherigen Höhepunkt stellt die Fairlagsaktion (seit 2008)

dar. Auf der anderen Seite steigen aber auch die Werbeplattformen für

Zuschuss-, Dienstleistungs- und Pseudoverlage mit der Größe des Webs.  Können die Aufklärer

egen die Macht der Werbung ankommen?

 

Um das herauszufinden, wurde untersucht, wie viele Bücher von Pseudo-

und Dienstleisterverlagen bei Amazon im Zeitraum 1998 bis 2009

veröffentlicht wurden. Das Ergebnis ist niederschmetternd: Die Menge

an DKZ-Publikationen nahm in den letzten sechs Jahren zu statt ab

(siehe Abbildung 1 + 2).

 





Die Erklärung hierfür liegt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit

im Google-Adsense-Werbesystem. Die Adsense-Werbung wurde

2003 von Google entwickelt und genau ab 2003  nehmen die

Pseudoverlagsveröffentlichungen zu.

 

Wenigstens wurde für das Jahr 2009 keine weitere Steigerung

verzeichnet, was zumindest ein Indiz dafür sein

könnte, dass die kritische Berichterstattung gegen Pseudo-

verlage Wirkung zeigt. Wie das Jahr 2010 wird, bleibt abzuwarten.

 

Allerdings bedeuten die hier veröffentlichten Statistiken nicht,

dass Aufklärung über Pseudoverlage keine Wirkung hat – sie

lässt sich mit diesen Statistiken nur nicht beweisen.

Vermutlich läge die Zahl der Pseudoverlagsveröffentlichungen

ohne Aufklärung noch viel höher.

 

Was diese Statistik jedoch beweist: Die bisherige Aufklärung

reicht bei weitem nicht, um dem „Geschäft mit dem Hoffnungen“

Einhalt zu gebieten.

 

Auch die „nackten Zahlen“ darf man nicht außer Acht lassen.

Selbst ohne Google Adsense, selbst am Tiefpunkt 2003

haben sich noch über 800 Autoren in diesem Jahr auf

Pseudoverlage eingelassen. Selbst wenn einige bewusst gezahlt

haben, (etwa Fachbuchautoren), wird die Zahl derer, die es

ahnungslos taten, gewiss hoch gewesen sein. Selbst

wenn nur 100 Autoren pro Jahr in die Pseudoverlage

strömen würden, wäre dies noch eine große Menge

gewesen. Und die hier untersuchten 27 Pseudoverlage

sind bei weitem nicht alle, welche sich im Netz tummeln,

wenngleich alle bekannten großen darunter sein dürften.

 

Allerdings: Vergleicht man die Büchermenge klassischer

Pseudoverlage mit der Büchermenge vom Print-on-Demand-Giganten

BoD GmbH, erscheinen die Pseudoverlage beinahe wie

„kleine Fische“: Selbst 27 Pseudoverlage zusammen konnten

es mit BoD GmbH im Jahr 2009 nicht aufnehmen: 1600 Büchern

von 27 Pseudoverlagen standen 7000 Bücher von BoD GmbH

entgegen, also viermal so viele (siehe Abbildung 3). Die Produktion

von BoD GmbH steigt extrem steil an und wird vermutlich weiter

steigen. Der Trend geht weg von den klassischen Pseudoverlagen

(„Verlag sucht Manuskript!“) und hin zu BoD-Dienstleistern

mit mehr Leistungskostentransparenz auf den Websites.





Unter den Zuschussverlagen sind insbesondere die Frankfurter

Verlagsgruppe und der Novumverlag gegenwärtig „populär“

(siehe Abbildung 4). Gegenwärtig im Anstieg befinden sich auch

der Projekte Verlag und die untersuchten kleineren Verlage

in der Summe (bis 200 Veröffentlichungen im Zeitraum 1998-2009).

Einstmals große Zuschussverlage wie Haag & Herrchen und der

Frieling Verlag dagegen haben ihre bisherigen Produktionshöhepunkte

um die Jahrhundertwende gehabt und ihre Produktionszahlen gehen

in den Keller.

 

Dennoch ist der finanzielle Gewinn, der sich aus „nur“ 30 Büchern

pro Jahr ergibt, nicht zu unterschätzen: Von 30 mal 5000 Euro = 150000 pro Jahr

(fiktives Beispiel) lässt sich selbst abzüglich ein paar tatsächlich gedruckter Bücher

noch ganz gut leben – umso besser, wenn weniger fürs Geld vom Autor

geleistet wird. Auch die niedrigen Kurven in Abbildung 4 haben es also in sich.




Betrachtet man die Ergebnisse, die Amazon für Zuschussverlage

so liefert, findet man auch einige recht kuriosen Ergebnisse

zu den Produktionszyklen einiger Zuschussverlage. Soll will

ein im Mai 1998 690 Bücher veröffentlicht

haben: 23 Bücher pro Tag ... Nun gut, dies mag noch

auf Amazons Datierer zurückgehen. Aber dass Zuschussverlage

mehr als 50 Bücher pro Monat herauszubringen schaffen, ist

nicht so ungewöhnlich. Und im nächsten Monat sind es dann

wieder nur 2 Bücher ...


Die in dieser Studie ermittelten Zahlen dürfen nicht ohne Weiteres mit der tatsächlichen Veröffentlichungsmenge dieser Verlage gleichgesetzt werden. Insbesondere Suchmaschinensysteme, aber auch der „menschliche Faktor“ und methodische Entscheidungen können zu mehr oder weniger großen Verzerrungen führen. In diese Studie flossen keine verlagsinternen Informationen ein, sondern sie wurde generiert auf Basis tausender einzelner Buchveröffentlichungen, die bei Amazon zu finden sind.

 

Alle Zuschuss- und Dienstleisterverlage in dieser Studie,
basierend auf der Liste des Autorenforums Montsegur

(absteigend nach ungefährer Gesamtproduktion 1998-2009, gerundete Zahlen)


Frankfurter Verlagsgruppe

(Frankfurter Literaturverlag, August von Goethe Literaturverlag, Cornelia Goethe Literaturverlag, Weimarer Schillerpresse, Fouqué Verlag, Frankfurter Verlagsgruppe Holding AG August von Goethe)

4500 Bücher

Frieling Verlag

2100 Bücher

Haag & Herrchen

1750 Bücher

Novum Verlag /edition nove

1350 Bücher

R. G. Fischer / Edition Fischer

1100 Bücher

Projekte-Verlag

1000 Bücher

Wagner Verlag

700 Bücher

pro literaturverlag

500 Bücher

Mauer-Verlag

300 Bücher

Karin Fischer Verlag

250 Bücher

Machtwortverlag

250 Bücher

Verlag Neue Literatur

200 Bücher

Triga Verlag

180 Bücher

èditions tréves

160 Bücher

Amicus Verlag

150 Bücher

Iris Kater Verlag

100 Bücher

Kontrast Verlag

95 Bücher

Persimplex Verlag

85 Bücher

Verlagshaus Schlosser

75 Bücher

Renaissance Verlag

55 Bücher

Reimo-Verlag

50 Bücher

Hierophant Verlag

30 Bücher

2a Verlag

25 Bücher

Holzheimer Verlag

25 Bücher

Kern Verlag

25 Bücher

Deutsche Literaturgesellschaft

20 Bücher

Elbverlag

4 Bücher

 

 

BoD GmbH

21.000

Buch & Media

600

 


(c) Copyright by Annette Scholonek 2011